Naturschutz

Nährstoffarm aber sexy

Am Bergener See in Sachsen entsteht auf alten Tagebauflächen ein ganz besonderes Naturschutzprojekt.

Am Smartphone? Youtube-App via Link: tr.im/Naturschutz

von Ariane Böhm und Simon Wenzel

Dämmerung am Bergener See. „Die perfekte Zeit, um Vögel zu beobachten“, sagt Dr. Alexander Harter. Er steht mit seinem Feldstecher am Rande des Pavillons und grinst: „Die Kraniche haben gerade Paarungszeit, da lohnt sich der Blick mit dem Fernglas“. Aber auch Graugänse, Rotschenkel oder Kiebitze kommen hierher.

Früher war mehr Moor

Landschaften, wie die am Bergener See sind selten geworden. Früher gab es noch mehr Moore und Heidelandschaften in Mitteleuropa. Doch nährstoffarme Offenlandgebiete (siehe Infobox) sind in den letzten hundert Jahren immer stärker durch Land- und Forstwirtschaft verdrängt worden. Die alten Tagebauflächen bieten Raum für einen Neustart.

Auch der Bergener See auf dem ehemaligen Bergbaugebiet Spreetal ist eine von Menschen geschaffene Gewässerlandschaft. Wo einst Kohle abgebaut wurde, befindet sich heute auf fast 6000 Hektar das Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland. Die angrenzenden Feuchtgebiete und die savannenartige Terrains sind Lebensräume für seltene Vögel, Tiere und Pflanzen.

Offland

Offenland ist eine Landschaftsform ohne Gehölze und Bäume. Dazu gehören Äcker, Wiesen, Moore oder auch ehemalige Bergbaufolgelandschaften.

Die „Lausitzer Savanne“

Für die Rekultivierung der alten Tagebauflächen gibt es unterschiedliche Ansätze: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) beispielsweise setzt in seinen Gebieten im „Naturparadies Grünhaus“ bei Lauchhammer auf Selbstheilung:

Mit der Zeit sollen die Flächen von alleine zuwachsen bis hin zum wilden Mischwald. Auch die Lausitzer Energie Bergbau AG/LausitzEnergie Kraftwerke AG (LEAG) kommt ihrer Pflicht zur Renaturierung nach: vor allem durch das Aufforsten von Mischwäldern. Dafür aber müssen häufig zunächst die Böden mit Kalk und Dünger behandelt werden.

Das Team des Naturschutzprojekts Lausitzer Seenland um Dr. Alexander Harter verfolgt einen anderen Ansatz. Einige Teile des Renaturierungsgebiets am Bergener See seien wie „Savannenlandschaften“ vorgesehen.

„Hier“, schwärmt Harter, „lässt sich Geschichte noch einmal im Kleinen erleben.“ Anfangs können nur wenige Pflanzen – die Pioniere – auf dem sauren Boden wachsen, später wird die Erde nährstoffhaltiger. Bevor aber ein Wald entsteht, greifen die Naturschützer ein: „Wir versuchen den Status einer Offen- beziehungsweise Halboffenlandschaft mit möglichste geringem Aufwand zu erhalten. Dafür arbeiten wir mit Landwirten zusammen, mit Hilfe von Schafen, Ziegen, Rindern und robusten Fjordpferden wollen wir die Landschaft dauerhaft offenhalten.“  Und so die „Lausitz-Savanne“ für seltene Vogelarten erhalten.

Nicht nur der Tierschutz könnte von den Offenlandgebieten profitieren, findet Harter. Auch für den Tourismus könne die Landschaft eine Alternative zum Seenland bieten. Trotzdem kann auch Harter verstehen, wieso es die Lausitzer nach all den Jahren mit Kohle und Sand ans Wasser zieht.