Arbeit in der Braunkohle

Das schwarze Gold aus der Lausitz

Sie ist über 15 Millionen Jahre alt, liegt in etwa 100 Meter Tiefe und liefert so viel Strom, dass knapp 16 Millionen Haushalte damit versorgt werden könnten: die Lausitzer Braunkohle. Aber wie genau wird das schwarze Gold zu Strom? Und was haben CO2, die braune Spree, Trinkwasser und Arbeitsplätze damit zu tun?

Am Smartphone? Youtube-App via Link: tr.im/tagebau

von Julia Fischer und Hanne Bohmhammel

Die Braunkohle liegt tief
Braunkohle entstand im Zeitalter des Tertiär vor etwa 30 Millionen Jahren. Im feuchtheißen Klima entstanden weite Waldsumpflandschaften, welche nur in den Regionen rund um das heutige Köln, Leipzig, im Harz und in der Lausitz vorkamen. Im Laufe der Zeit wurden diese Sumpfwälder durch Meeressedimente, Sand, Schlamm und Geröll überdeckt und verrotteten unter Luftabschluss. Die verschiedenen Eiszeiten mit ihren Gletschern überlagerten die Torfschichten und drückten sie zusammen, sogenannte Braunkohleflöze entstanden. In der Lausitz befinden sie sich ca. 100 Meter unter der Erde – und da muss man erstmal rankommen.

Förderung der Braunkohle

Zuerst werden die Erdschichten über der Braunkohle abgetragen – das macht ein gigantischer Gerätekomplex, die Abraumförderbücke. In der Lausitz kommt die größte Abraumförderbrücke der Welt, die F60, zum Einsatz. Sie ist 650 Meter lang, 72 Meter hoch und wiegt 13.000 Tonnen – ihr zweiter Name ist Liegender Eiffelturm.

Dann holen riesige Schaufelradbagger die Kohle aus dem Boden, über Förderbänder und Züge wird sie
mehrere Kilometer weit in das Kraftwerk transportiert. Der Abraum, also die oberen Erdschichten, wird über die F60 mit Hilfe von Förderbändern auf die andere Seite der Grube transportiert und hier nur zwei Minuten später wieder abgeworfen. So wird das Loch auf der einen Seite weiter ausgehoben und auf der anderen Seite gleichzeitig schon wieder zugeschüttet, nachdem die Kohle herausgeholt wurde.

Kohlestaub, Wasserdampf und schließlich Strom

Insgesamt werden 33 Prozent der deutschen Braunkohle im Lausitzer Revier gefördert, und Deutschland ist nach wie vor abhängig von Braunkohle: laut Statistischem Bundesamt werden 23 Prozent des Stroms durch sie erzeugt. In Berlin und Brandenburg basiert die Stromerzeugung zu jeweils rund 60 Prozent auf Kohle.

Im Kraftwerk angekommen zermahlen gigantische Mühlen die Kohle zu Staub. Im Lausitzer Kraftwerk Jänschwalde, dem drittgrößten Kraftwerk in Deutschland, sind das bei Vollauslastung bis zu 82.000 Tonnen Kohle pro Tag. Der Kohlestaub wird dann mit heißer Luft in den Feuerraum eines Kessels geblasen, wo er bei Temperaturen um 1.300 Grad Celsius verbrennt. Dabei entstehen heiße Rauchgase, Wasser in einem Rohrsystem erhitzen und es verdampfen. Dieser Dampf treibt Wellen in einer Turbine an, sich zu drehen. Ein Generator wandelt diese mechanische Energie dann in elektrische um, ähnlich wie bei einem Fahrraddynamo.

Der so entstandene Strom wird schließlich in Umspannwerke geleitet und von dort aus in das Höchstspannungsnetz eingespeist – am Ende kommt dann Strom aus unseren Steckdosen.

Geschlossener Wasserkreislauf

Für den Betrieb des Kohlekraftwerks wird eine große Menge Kühlwasser benötigt, das zumeist Flüssen entnommen wird. Das Kühlwasser dient dazu, den erhitzten Wasserdampf in Kühltürmen wieder zu Wasser zu kondensieren. So kann das Wasser entweder für einen neuen Produktionskreislauf verwendet werden oder es wird (nach diversen Reinigungsschritten) in einen Fluss geleitet.

Bevor das beim Verbrennen der Kohle entstandene Rauchgas über einen Schornstein oder die Kühltürme in die Luft entweichen kann, wird es gefiltert und gereinigt: Über mehrere Schritte werden ihm Stickoxide, Feinstaub und Schwefel entzogen.

Was da aus dem Schornstein kommt – Rauchgasreinigung, Wasserdampf und CO2

Was wir als dichten Qualm über den Kühltürmen der Kraftwerke sehen, ist also vor allem Wasserdampf. In ihm werden aber auch (Ultra-)Feinstaub und das unsichtbare CO2 in die Atmosphäre geblasen. Das Kraftwerk Jänschwalde stößt so etwa 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Luft.

Der CO2-Ausstoß ist einer der Hauptkritikpunkte an der Braunkohleindustrie, denn Braunkohle ist – mit Abstand – der Energieträger mit den höchsten CO2-Emissionen. Das Gas trägt in der Atmosphäre zum Treibhauseffekt bei und ist maßgeblich für die globale Erwärmung verantwortlich. Laut Greenpeace stammen rund 20 Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland aus Braunkohlekraftwerken.

Verschmutztes Trinkwasser und braune Spree

Eine weitere Folge für die Umwelt ist die sogenannte Verockerung der Spree. Was es genau mit diesem Phänomen auf sich hat, lässt sich hier nachlesen:

Arbeitsplätze

Trotzdem sind beileibe nicht alle Bewohner der Lausitz gegen die Kohle-Förderung, ganz im Gegenteil: Die Industrie hat in der Lausitz eine mehr als 100-jährige Tradition. Sie sichert 8.000 hoch qualifizierte, gut bezahlte Arbeitsplätze in der Region. Indirekt hängen weitere 16.000 Arbeitsplätze an ihr. Arbeitgeber mit einer vergleichbaren Anzahl an Arbeitsplätzen gibt es in der Region nicht.