Landwirt profitiert von Umsiedlung

Dank Tagebau: Bessere Bedingungen für Mensch und Tier

Immer wieder müssen Privatleute oder ganze Betriebe umgesiedelt werden, um Platz für den Braunkohleabbau zu schaffen. So erging es auch einem landwirtschaftlichen Betrieb in Sachsen – mit positiven Folgen.

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von Elisa Luzius & Vanessa Kockegei

Morgens, 6 Uhr, im sächsischen Rietschen. Die ersten Traktoren sind schon unterwegs. Sabine Noatsch und ihr Bruder Gerd Tusche sind schon auf den Beinen. Seit über 20 Jahren arbeiten sie für den Betrieb Viereichener Rindfleisch. In dunklen engen Ställen wurden ihre Rinder damals noch gehalten. Dann vor fünf Jahren kam die große Veränderung.

Damals musste der Betrieb samt Stall und Schlachthof umgesiedelt werden, um Platz für den Weißen Schöps, den anliegenden Fluss, zu schaffen. Damit Vattenfall wie geplant den Tagebau Reichwalde ausbauen konnte, musste der Weiße Schöps verlegt werden – ausgerechnet dort entlang, wo Viereichener seinen alten Standort hatte.

Bessere Bedingungen für Mensch und Tier

Von Unmut aber keine Spur bei den Viereichenern: Zwar hat der Betrieb 300 Hektar Fläche verloren, dafür aber musste Vattenfall entsprechende Entschädigungen zahlen, darunter einen neuen Stall. Und auf den neuen Stall hat sich Noatsch schon gefreut, bevor er überhaupt da war, sagt sie : “Die Tiere haben es hier viel besser. Sie können auf Stroh liegen, das wird gehexelt und rieselt jeden Tag von oben runter. Durch das offene Dach kommt immer frische Luft, Sonne und Regen rein.” Außerdem gebe es keinen Transportstress für die Tiere, sagt Noatsch. Das Schlachthaus befindet sich gleich nebenan: „Sie werden in unseren Zwangsstall geladen, rübergefahren und geschlachtet.“

Einer der Metzger im neuen Schlachthaus ist Thomas Lahm. “Wir haben fantastische Bedingungen in dem Schlachthaus, von den Räumlichkeiten und der Sicherheit her”, sagt er. Im Kontrast zum alten Schlachthaus sei nun alles ebenerdig oder über Aufzüge erreichbar. Acht Leute arbeiten hier in der Produktion, einer davon als Lehrling. Die schlachten hier pro Woche zwei Rinder aus dem eigenen Stall und zwölf bis vierzehn Schweine aus der Umgebung. Verkauft werden die Produkte dann tatsächlich nur in der Gegend – bis auf einige Konserven in sächsischen Supermärkten.

„Wir haben fantastische Bedingungen in dem Schlachthaus, von den Räumlichkeiten und der Sicherheit her”

Zusätzlich zum Stall und Schlachthof erhielt der eigentliche Inhaber Erwin Hackel eine Biogasanlage, mit der er den Hof umweltneutral heizen kann. Durch eine Fernwärmeleitung, die Vattenfall installiert hat, kann Hackel zudem seinen Strom an eine Fischzucht weiter verkaufen, eine Investition, die er sich selbst nie hätte leisten können, sagt er.

“Vom Pilzesammeln kann sicherlich keiner leben”

Hackel geht mit seinen 65 Jahren auf die Rente zu. Wenn es soweit ist, sollen Sabine Noatsch und ihr Bruder Gerd Tusche den Betrieb übernehmen, die jetzt schon Gesellschafter sind.

Zwar lassen die Umweltfolgen der Braunkohle die beiden nicht kalt – doch die Mitarbeiter aus dem naheliegenden Tagebau Reichwalde oder dem Kraftwerk Boxberg machen einen Großteil der Viereichener Kunden aus. Unternehmen wie die LEAG sicherten die Kaufkraft für die gesamte Region, meint Tusche: „Ohne die Kohle, die hier gefördert wird, hätten viele keinen Arbeitsplatz. Vom Pilzesammeln kann sicherlich keiner leben.”