Folgen der Grundwasserabsenkung

Warum ist die Spree braun?

Die Spree wird immer brauner. So braun wie die Braunkohle, deren Gewinnung für die sogenannte Verockerung der Spree sorgt. Doch wie gefährlich ist Verockerung und wie lässt sie sich aufhalten? Das sind die Antworten.

Am Smartphone? Youtube-Link via App: tr.im/Spree

von Elisa Luzius und Vanessa Kockegei

Was ist Verockerung?

Die Verockerung der Spree ist eine Folge der Grundwasserabsenkung, die für die Errichtung von Tagebaugruben notwendig ist. Die Böden werden trockener und saurer, denn sie enthalten Schwefelkies, der mit Sauerstoff reagiert und vor allem zwei Produkte bildet: Sulfat und Eisen. Im Boden selbst sind die Stoffe zunächst unbedenklich.

Warum ist die Spree braun?

Das eigentliche Problem beginnt, wenn ein Tagebau stillgelegt wird. Dann steigt der Grundwasserspiegel wieder an und wäscht Sulfat und Eisen aus den Böden. Das Eisen oxidiert und wird zu Eisenhydroxid. Dieses setzt sich als Schlamm in Gewässern wie zum Beispiel am Grund der Spree ab und färbt sie braun. Die aktuelle Verockerung ist jedoch auf Altlasten der bereits stillgelegten Tagebauen aus der DDR-Zeit zurückzuführen. Die aktiven Tagebaue hätten keinen Anteil an der Braunfärbung der Spree, betonte der Sprecher der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) Thoralf Schirmer.

Welche Folgen hat die Verockerung für die Umwelt?

Laut Umweltschützer Winfried Böhmer ist die Verockerung der Spree eine ökologische Katastrophe: Durch die Schlammablagerungen am Grund wachsen keine Wasserpflanzen und Wirbellose wie Krebstiere oder Insektenlarven finden keine Nahrung mehr. Ohne diese Tierchen finden auch Fische keine Nahrung, was wiederum die Lebenswelt anderer Tiere wie Eisvogel oder Otter beeinträchtigt.

Wie gefährlich sind diese Stoffe für den Menschen?

Das Eisenocker stellt laut Aktionsbündnis “Klare Spree” keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Sulfat wiederum hat in der deutschen Trinkwasserverordnung einen klaren Grenzwert von 250 mg, der laut Böhmer aber massiv überschritten wird: Steigt das Grundwasser, steigen auch die Werte von Sulfat im Grundwasser zum Teil auf bis zu 500 mg. Dies könne selbst das Trinkwasser in Berlin beeinflussen, sagte Böhmer. Um die Sulfatwerte zu senken, würde zudem unbelastetes Wasser mit niedrigeren Sulfatwerten beigemischt.

Infobox

  1. Hydrochemische Barrieren: Als natürliches Neutralisationsmittel soll Kalk vor der Kippung des letzten Abraums in den Untergrund eingebracht werden. Dadurch wird das Eisen wasserunlöslich und damit transportunfähig gemacht.
  2. Quellenmonitoring: Seit mehr als zwanzig Jahren wird bereits in allen betroffenen Landschaftsteilen ein spezielles Langzeitmonitoring des Grundwassers sowie der Fließ- und Standgewässer durchgeführt. Wasserwirtschaftlich kritische Bereiche können somit identifiziert und vor Ort behandelt werden.
  3. Feuchtgebiete:  Um die Fließgeschwindigkeit zu verringern, baut man Weiher oder Schleifen in geradlinige Gräben- und Bachverläufe oder staut das Wasser lokal auf, um das Eisen nachhaltig zurückzuhalten.

Sind das alles Altlasten aus der DDR oder erwarten uns ähnliche Folgen durch noch aktive Tagebaue nach der Stilllegung?

LEAG-Pressesprecher Thoralf Schirmer weist darauf hin, dass die noch aktiven Tagebaue nachweislich keinen Anteil an der Braunfärbung der Spree haben, dies sei auch durch unabhängige Studien belegt. Anders sieht es Klimaforscher Gunnar Luderer vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er sieht in der aktuell geförderten Kohle zumindest ein zukünftiges Problem für die Gewässerbelastung: “Auch durch die heute aktiven Tagebaue werden Schadstoffe freigesetzt, die auf Jahrzehnte hinaus die umliegenden Fließgewässer belasten werden.”

Winfried Böhmer vom Aktionsbündnis Klare Spree betonte, dass die aktiven Tagebaue wie Jänschwalde oder Welzow Süd aus DDR-Zeiten stammen und für diese das Grundwasser ebenso abgesenkt wurde wie bei den Tagebauen, die gleich nach der Wende stillgelegt wurden. “Also hat sich auch hier wieder Sulfat und Eisen in den Böden gebildet. Die Probleme werden lediglich da reduziert, wo Dichtwände gebaut worden sind”, meint Böhmer. Diese Dichtwände zwischen den Tagebauen und Flächen, die nicht abgebaggert werden, sollen verhindern, dass Eisen und Sulfat beim Rückbau eines Tageubaus und einer Flutung wieder ins Grundwasser gelangen. Bis dato sind die Tagebaue Cottbus-Nord, Jänschwalde, Welzow-Süd und Reichwalde in einer Länge von bislang mehr als 35 Kilometern mit Dichtwänden versehen worden.

Was unternimmt die Braunkohleindustrie noch gegen die Verockerung?

Eine Maßnahme sah vor, die Grubenwasserreinigungsanlage (GWRA) Vetschau zu reaktivieren. In drei großen Becken fließt belastetes Wasser aus der Spree ein und soll mit Kalk behandelt werden. Der Kalk soll den Oxidationsprozess des Eisens beschleunigen und dafür sorgen, dass sich in acht bis zehn Tagen, die das belastete Wasser in den Becken verweilt, das schlammartige Eisenocker noch in den Becken absetzt. Zum Schluss entfließt das gereinigte Wasser wieder. Dafür muss der Schlamm allerdings regelmäßig ausgebaggert werden. Die Talsperre Spremberg hingegen wurde ungeplant zum Absetzbecken. Sie hält einen Großteil des Eisenhydroxids aus dem sächsischen Gebiet auf. Das Aktionsbündnis Klare Spree fordert, dass auch hier der Schlamm regelmäßig ausgebaggert wird. Die LEAG plant vor allem langfristige Maßnahmen, um den Folgen in der Zeit nach dem Bergbau zu begegnen. Welche das sind, erfahren Sie in der Infobox (siehe oben).